Allgemein DOK Leipzig 2021

Diskursraum


Die Dokfilmwoche lebt von ihrer Atmosphäre, dem Publikum, den Filmgesprächen. Die interessierten
Zuschauer sind der Grund, warum sich viele Filmemacher auf den weiten Weg nach Leipzig begeben und oft mals wiederkommen. Ein Dok Leipzig ohne Gäste ist also nur ein Schatten seiner selbst. Da hilft es wenig,
die Filmschaffenden per Livestream hinzuzuschalten.

Aber diese Zeiten sind nun hoffentlich vorbei. Wenn die Lage stabil bleibt, heißt es in der letzten Oktoberwoche wieder »Licht aus und Film ab«. Insgesamt sind rund 180 Filme und Virtual-Reality-Arbeiten zu sehen. Zudem kann nun endlich die bereits für letztes Jahr geplante Retrospektive »Die Juden der Anderen. Geteiltes Deutschland, verteilte Schuld, zerteilte Bilder« realisiert werden. Der Titel der Reihe verweist auf Zuschreibungen des Jüdischseins. Hier geht es vor allem um die Auseinandersetzung mit der
Shoah in deutschen und deutschsprachigen Filmproduktionen, insbesondere während der Jahre der Teilung Deutschlands. Auch die DEFA-Matinee zu Kurt Tetzlaff findet in diesem Jahr statt. Die Hommage ist Avi Mograbi gewidmet, der sich in seinen Arbeiten immer wieder kritisch mit Israels Politik gegenüber den Palästinensern auseinandersetzt.

Der Programmzyklus »Modular & Modified: Animation und Musique concrète« blickt auf die Gemeinsamkeiten von Animation und elektronischer Musik und führt als experimenteller Streifzug durch Popkultur, Forschungs- und Klanglabore bis in die Innenwelten von
Mensch und Maschine. Im Anschluss an die Vorführung präsentieren die beiden Leipziger Künstlerinnen CFM und SAOU TV ein audio-visuelles Live-Konzert, basierend auf Found Footage und Sampling. Daneben lockt das »Neuland« wieder zum virtuellen Ausflug ins Museum der bildenden Küns-
te. In der Osthalle des Hauptbahnhofs laufen ausgewählte Dokumentarfilme für alle. Dort fährt am 27.10. etwa »The Cars We Drove into Capitalism« vor, ein nostalgischer Trip in die Vergangenheit, als sich der Kauf eines Autos als Lebensaufgabe gestaltete. Wer trotzdem daheim geblieben ist, oder vielleicht das ein oder andere Highlight nachholen möchte, findet im Anschluss an das physische Festival wieder ein Online-Angebot mit ausgewählten Filmen.

LARS TUNÇAY

■ »64. Dok Leipzig«: 25.–31.10., CineStar, Passage-Kinos, Schaubühne Lindenfels, Schauburg, Cinémathèque, Regina-Palast u. a., online vom 1.–14.11., www.dok-leipzig.de

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