Allgemein DOK Leipzig 2021

DOK Leipzig 2021 ist eröffnet

Am Montag ist die 64. Ausgabe des Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm gestartet. Neben dem üblichen Scheinwerferlicht und den obligatorischen Eröffnungsreden gab es bereits eine Überraschung. Zum ersten Mal wurde schon am Eröffnungstag die silbernen Taube überreicht – ein Preis, der schon vor 26 Jahren angekündigt wurde.

Es ist ein inzwischen ungewohntes Bild, das sich am Montagabend im Saal 8 des CineStar Leipzig zeigt: ein Kino, das fast vollständig besetzt ist. Nachdem das DOK 2020 pandemiebedingt nur in digitaler Form stattfinden konnte, ist die Freude über ein Stück cineastische Normalität zu spüren. Sie steht an diesem Eröffnungsabend der 64. Internationalen Leipziger Festspiele für Dokumentar- und Animationsfilm über allem anderen. Und so ist es keine Überraschung, dass Festivaldirektor Christoph Terhechte genau das in seiner Eröffnungsrede anspricht. Nachdem der 60-jährige im letzten Jahr als Nachfolger von Leena Pasanen die künstlerische Leitung und Intendanz übernommen hat, ist die diesjährige Ausgabe auch etwas Besonderes für ihn. Das letzte Jahr sei das „nullte Mal“ gewesen – jetzt fühle es sich auch wie eine richtige Premiere an.

Gut drei Viertel der Plätze im großen Kinosaal sind gefüllt. Die unteren Reihen, nahe dem Rednerpult, noch mehr als die oberen. Nachdem Christoph Terhechte seine Dankbarkeit gegenüber den Sponsoren und seine Vorfreude auf die kommenden Tage zum Ausdruck gebracht hat, tritt Dr. Skadi Jennicke an das Mikrofon. Die Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur der Stadt Leipzig hebt insbesondere die Themenreihe der >Retrospektive< hervor. Unter dem Titel „Die Juden der Anderen. Geteiltes Deutschland, verteilte Schuld, zerteilte Bilder“ werden in diesem Jahr Filme gezeigt und Podiumsgespräche geführt, die sich mit dem Holocaust und dessen Aufarbeitung beschäftigen. „Für Leipzig ist das DOK ein unersetzliches kulturelles Highlight.“, sagt die Politikerin und bedankt sich bei allen Engagierten, die dieses Festival in Präsenz ermöglicht haben.

Nun hat Sebastian Hecht das Wort. Der Geschäftsbereichleiter für Kultur und Tourismus vertritt Staatsministerin Barbara Klepsch, richtet ihre Grüße aus und hat „die große Freude“ den sächsischen Preis für das beste Dokumentarfilmprojekt einer Regisseurin zu verkünden. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung geht an die iranische Filmemacherin Sarvnaz Alambeigi. Mit ihrem Projekt „Broken Flower“ zeige die Iranerin mit leidenschaftlichem Engagement und unter persönlichem Risiko die Coming-of-Age-Geschichte einer jungen Frau aus Afghanistan.

Nach einer Videobotschaft der Filmemacherin und der Vorstellung der gleich 11 verschiedenen Jurys ergreift wieder der Festivaldirektor das Wort. Nun folge etwas, das es so noch nie in der Geschichte des Festivals gegeben habe, verkündet Christoph Terhechte. Zum ersten Mal werde eine der begehrten Tauben bereits am Eröffnungstag verliehen. Es sei genau 26 Jahre her, da wurde der niederländische Filmemacher Vincent Monnikendam für seinen Film „Mother Dao, the Turtlelike“ mit der Silbernen Taube ausgezeichnet – nur die Auszeichnung habe den Filmemacher nie erreicht. Das wolle man jetzt nachholen, verkündet Terhechte und bittet den inzwischen 85-jährigen Regisseur auf die Bühne. Unter erfreuten und überraschten Lachern erzählt dieser, dass er seine Taube nie erhalten habe. Die sei wohl auf dem Postweg abhandengekommen und da habe er einfach mal eine Nachricht geschrieben… Und so kann mit einer kleinen Verspätung von nur 26 Jahren die überfällige Preisverleihung nachgeholt werden. (Den preisgekrönten Film kann man übrigens am Dienstag, um 19:30 Uhr im Passage Kino sehen.)

Nach dieser Premiere für das DOK-Festival folgt gleich die nächste. Der Dokumentarfilm „Der Rhein fließt ins Mittelmeer“ des israelischen Regisseurs Offer Avnon feiert um kurz nach 20 Uhr nach über 10 Jahren Produktionszeit Weltpremiere. Und damit ist das diesjährige Dokumentar- und Animationsfilmfestival in Leipzig eröffnet. Noch bis Sonntag, den 31.10.2021 sind 162 Filme und rund 120 Filmgespräche im Programm zu sehen. Anschließend kann man 14 Tage lang 70 Filme aus dem Festivalprogramm online nachholen.

KAI REMEN

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