Allgemein DOK Leipzig 2020 Filmrezensionen

Im Kamin ist es dunkel

»Der Schornsteinsegler« (Frédéric Schuld, D 2020)

»Der Schornsteinsegler« erzählt eine historische Geschichte von Kinderarbeit in England. Der Kurzfilm basiert auf Original-Dokumenten und vermag zu überraschen.

Schornsteine sind nicht unbedingt Orte, in denen man sich gerne aufhält. Ein Blick in den Kamin genügt. Alles ist dunkel und rußig, der Himmel am anderen Ende, wenn überhaupt, nur schlecht zu erkennen. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in England eine höchst fragwürdige Tradition. Sogenannte Climbing Boys, Jungen im Kindesalter, wurden von ihren Meistern dazu ausgebildet Schornsteine von innen zu säubern. Die Kinder zwängten sich also in die langen Röhren und kletterten sie bis zum Dach hinauf.

Wenn die Kinder zu groß waren, um den Job zu erledigen wurden sie in der Regel selbst zu Meister für neue Climbing Boys. So sicherte man sich den Nachschub für einen Berufszweig, der in vielerlei Hinsicht moralische Fragen aufwirft. Die stellte irgendwann auch die britische Gesellschaft. 1875 verbot das englische Parlament die »Versklavung« von Kindern »zum Säubern von Schornsteinen«.

Der Filmemacher Frédéric Schuld hat »Der Schornsteinsegler« auf der Grundlage von Erfahrungsberichten gedreht. Alle Wortbeiträge in seinem Kurzfilm stammen aus historischen Quellen. In Englisch eingelesen, erzählen sie aus der Perspektive der Kinder von der gefährlichen Arbeit in den Kaminen des Bürgertums. Für die Schilderungen finden Schuld und sein Animationsteam einfache Bilder, die mal skizzenhaft, mal in Braun- und Gelbtönen die kindlichen Erfahrungen illustrieren. Ein visuelles Erlebnis, das in nur fünf Minuten auf ein eher unbekanntes Thema aufmerksam macht.

JOSEF BRAUN

29.10., 19.30, Grassimuseum
31.10., 15.00, Passage Kinos Astoria
31.10., 17.45, CineStar 2
01.11., 12.00, CineStar 2

ab 29.10., abrufbar auf CultureBase.org

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