Allgemein DOK Leipzig 2021 Filmrezensionen

Light Years

Über einen Mann, der emotional wird, wenn er auf seine fehlende Freundin angesprochen wird, über Männlichkeit, Familie, Religion und Kunst.

Ein Leben zwischen Religion und Persönlichkeit. Der 30-jährige Pole Witali hat das orthodoxe Seminar absolviert. Um Priester zu werden, muss er entweder eine Familie gründen oder Mönch werden. Doch seine andere Seite steht dem vermeintlich entgegen. Er lebt mit Łukasz in einer zärtlichen, harmonischen Freundschaft. Auch der hat das orthodoxe Seminar abgeschlossen, doch die beiden verbindet noch mehr.

Die Filmemacherin Monika Probe begleitet Witali, einen bärtigen Mann, mit zarter Stimme und manchmal kindlicher Art. Die Kamera dokumentiert, wie der Pole kleine Kunstwerke auf Servietten kritzelt, mit seinem Freund über Gesang philosophiert, aus alten Glühbirnen Kerzen baut und mit seiner Oma Astronaut spielt.

»Light Years« zeigt damit Themen auf, ohne sie plakativ zu benennen. Witali steht zwischen der Religion und den Erwartungen seiner Familie auf der einen und seiner künstlerischen, zarten Persönlichkeit auf der anderen Seite. Die Regisseurin versucht aber erst gar nicht, konkrete Fragen zu stellen, sondern bleibt mit ihrer Kamera authentische und stille Beobachterin. Die Fragen überlässt sie dem Publikum. Etwa wenn die angehenden Priester Witali und Łukasz die Religion als schrecklich beschreiben und deren einzige Legitimation in der daraus resultierenden Kunst sehen.

KAI REMEN

»Light Years«

Internationalen Wettbewerb Kurzfilm

Donnerstag, 19 Uhr, CineStar

Samstag, 20 Uhr, Schauburg

Sonntag, 20 Uhr, Regina Palast

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