Allgemein DOK Leipzig 2020 Filmrezensionen

Tödliche Grenzen

»Operation Moonbird« (Dustin Loose, D 2020)

Die Situation auf dem Mittelmeer ist alles andere als gelöst. Täglich sterben weiter Menschen bei dem Versuch einen europäischen Hafen zu erreichen. »Operation Moonbird« liefert Bilder, die diese Dramatik präzise auf den Punkt bringen.

Manchmal reichen wenige Augenblicke, um auf ein Problem aufmerksam zu machen. Der Film von Regisseur und Drehbuchautor Dustin Lose wirft ein Schlaglicht auf die aktuelle Flüchtlingspolitik der EU. Ein großes Thema, dem sich in den letzten Jahren bereits ausführliche Dokumentationen wie Gianfranco Rosi’s »Seefeuer« oder Filme wie »Styx« widmeten. Das besondere an Loses Kurzfilm ist die Perspektive, die er wählt. Zwischen Mai und Juni hat er die Piloten der »Operation Moonbird« mit seiner Kamera begleitet. Die »Operation Moonbird« ist ein privates Aufklärungsprojekt. Privatpersonen suchen aus dem Flugzeug nach Booten in Seenot und melden diese dann den europäischen Behörden.

Ein Fall steht im Zentrum von Loses Film. Immer wieder umkreist das Flugzeug und damit auch der Zuschauer die Szenerie. Da ist ein Schlauchboot voller Menschen, kurz davor zu kentern. Und da ist ein Handelsschiff, das sich weigert den Geflüchteten zur Hilfe zu kommen. Immer wieder setzen die Piloten der Moonbird Appelle an den Kapitän des Schiffes ab. Doch der reagiert nicht. Während die Piloten auf internationales Seerecht verweisen, dass den Kapitän zum Handeln verpflichte, taucht ein Boot der lybischen Küstenwache auf. Hilflos sehen die Piloten zu, wie auch die letzten Geflüchteten vom Handelsschiff an die lybischen Militärs übergeben werden. Ihre Flucht ist gescheitert. Libyen bedeutet für sie Gefängnis, häufig auch Folter oder den Tod.

Die große Stärke von Loses Film liegt darin, dass er die eindrücklichen Bilder von einem der beiden Piloten kommentieren lässt. Unaufgeregt erläutert Fabio Zgraggen die Situation der Geflüchteten. Dabei sagt er Sätze wie, »das Mittelmeer ist die tödlichste Außengrenze der Welt«. Auch die deutliche Kritik an der inhumanen Politik der EU formuliert der Pilot mit ruhiger Stimme. Das Entsetzen, darauf scheint sich Filmemacher Losen zu verlassen, stellt sich beim Zuschauer von selbst ein. Mit nur einer Situation zeigt er, wie die europäische Grenzpolitik den Tod von Menschen in Kauf nimmt. Ein Kurzfilm, der in der Stille seine erschütternde Wirkung entfaltet.

JOSEF BRAUN

29.10., 12.00, CineStar 2

abrufbar auf CultureBase.org

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